VVS-Geschichte
Berthold von Nasse

Oberpräsident der Rheinprovinz und tatkräftiger Schützer des Siebengebirges

Berthold Nasses Vater, der Mediziner Christian Friedrich Nasse, stammte aus Bielefeld. 1819 folgte er einem Ruf an die neue Universität Bonn. Er setzte sich für eine Reform der Psychiatrie ein und stand in Briefkontakt mit dem an naturwissenschaftlichen Fragen in höchstem Maße interessierten Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe. 1831 wurde Berthold in Bonn geboren. Er studierte auf Wunsch seines Vaters in Bonn Rechtswissenschaften und bestand die Staatsprüfung mit Auszeichnung. Er trat 1853 als Referendar in den preußischen Staatsdienst ein und durchlief eine glänzende Beamtenkarriere.

Im Regierungsbezirk Koblenz verwaltete er nacheinander die Landratsämter in Mayen, Zell und Koblenz. 1863 wurde er als Landrat nach Diez versetzt, um den Kreis, den Preußen im Deutschen Krieg von 1866 als Teil von Kurhessen erworben hatte, aus der hessischen in die preußische Verwaltung zu überführen. 1874 wurde er Vortragender Rat im Ministerium des Inneren, 1881 Regierungspräsident in Trier und 1888 Unterstaatssekretär im Kultusministerium.

Seine Laufbahn wurde 1890 gekrönt mit der Ernennung zum Oberpräsident der Rheinprovinz. Als solcher hatte er seine Dienstwohnung im Koblenzer Schloss. Die Zeitgenossen lobten seine Umsicht und Tatkraft, seinen Gerechtigkeitssinn und sein Bestreben, jeden gesunden Fortschritt zu fördern. Zu seinen vielen Auszeichnungen zählen die Ehrenbürgerschaft in Bonn, Koblenz, Trier, Ahrweiler und Bacharach, die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn und die Erhebung in den erblichen Adelsstand bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst 1905. Seinen Ruhestand verbrachte er in Bonn, wo er am 1. Dezember 1906 starb.

Für das Siebengebirge war Nasse - in engstem Zusammenwirken mit dem VVS - ein überaus tatkräftiger und wirkmächtiger Streiter gegen die drohende Zerstörung durch den Steinabbau.

Der expandierenden Bröltalbahngesellschaft trat er entgegen, indem er, um die landschaftliche Schönheit des Siebengebirges zu schützen, bei der Erteilung von Genehmigungen jede weitere Abfuhrmöglichkeit im Gebirge verhinderte.

Als Geldquelle für den Ankauf gefährdeter Kuppen durch den VVS wurde eine Geldlotterie nach dem Vorbild der Kölner Dombaulotterie angestrebt. Auf einer Besichtigungsreise durch das Siebengebirge 1897 überzeugte er den Landwirtschaftsminister von Hammerstein von der Notwendigkeit dringender Hilfe. Als der widerstrebende Finanzminister Miquel ein deutliches finanzielles Engagement in der Rheinprovinz - „einer unserer reichsten Provinzen“ - erwartete, setzte sich Nasse ein und erreichte - in je einstimmigen Beschlüssen - erhebliche Zuwendungen seitens der Provinz sowie der Städte Köln und Bonn.

Um Preistreibereien entgegenwirken zu können, erwirkte Nasse von Kaiser Wilhelm für den VVS das Recht, Grundstücke zum Schutz der Schönheit des Siebengebirges zu enteignen. Der VVS ernannte Nasse zu seinem Ehrenmitglied, richtete 1901 zu seinen Ehren den ehemaligen Abraumplatz am Steinbruch Lohrberg zu Anlagen mit Bäumen und Bänken ein, pflanzte dort eine Eiche und setzte den Gedenkstein mit der Inschrift „Dem Ober-Präsidenten der Rheinprovinz Berthold Nasse“. Jahrzehnte später ergänzte der VVS die Inschrift durch eine aussagekräftigere Bronzetafel, die Nasse als „Förderer des Naturschutzes im Siebengebirge“ preist. (EH)

 

 

  Naturpark Siebengebirge 18.03.11