VVS-Geschichte
Heinrich von Dechen - der „Vater des VVS“

Heinrich von Dechen wurde 1800 als Sohn einer angesehenen Beamtenfamilie in Berlin geboren. Er absolvierte eine wissenschaftliche und praktische Ausbildung im Bergfach und kam während dieser Zeit 1819 erstmals ins Siebengebirge. Dank seiner hervorragenden Leistungen stieg er ungewöhnlich schnell in der preußischen Bergverwaltung auf. Bereits 1828 war er stellvertretender Leiter des für die ganze Rheinprovinz zuständigen Oberbergamtes Bonn. Hier fertigte er ein – leider verschollenes – koloriertes geologisches Modell des Siebengebirges an. Später war er bei der obersten Bergbehörde in Berlin tätig und lehrte zugleich an der dortigen Universität. 1841 wurde er Leiter des Bonner Oberbergamtes. Später wurde er Abteilungsleiter im Handelsministerium. Aber trotz der glänzenden Ministerialkarriere, die ihn in Berlin erwartete, drängte es ihn nach Bonn zurück, das ihm ans Herz gewachsen war.

Neben seiner Berufstätigkeit erfüllten ihn eingehende wissenschaftliche Studien.1847 wurde von Dechen Vorsitzender des auf seine Initiative gegründeten Naturhistorischen Vereins für die Preußischen Rheinlande und Westfalen, der seine heute noch erscheinende Vereinszeitschrift später ihm zu Ehren „Decheniana“ benannte. Wegen seiner wissenschaftlichen Interessen, aber auch seiner angegriffenen Gesundheit, trat er Anfang 1864 als Oberberghauptmann und Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat „Exzellenz“ in den Ruhestand. Von seinen vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist für uns besonders wichtig seine 1852 erstmals erschienene geologische Beschreibung des Siebengebirges, die 1861 überarbeitet als „Geognostischer Führer in das Siebengebirge am Rhein“ erschien.

Dechen gehörte zu den Männern, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Bedeutung des Siebengebirges als hervorragende Erholungslandschaft und die Notwendigkeit erkannten, es unter diesem Gesichtspunkt zu entwickeln. Am 4. Dezember 1869 trafen sich auf eine von Dechen und anderen erlassene Einladung 22 Herren in Bonn im „Goldenen Stern“ in der Absicht, den „Verschönerungs-Verein für das Siebengebirge“ zu gründen mit dem satzungsgemäßen Ziel der „Herstellung und Unterhaltung von Fahr-, Reit- und Fußwegen im Siebengebirge sowie solcher Anlagen, welche zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Besucher des Siebengebirges beitragen können.“ Gegründet wurde der Verein, unser VVS, dann in seiner ersten Generalversammlung mit 450 Mitgliedern am 9. April 1870. Auf Vorschlag des Bonner Oberbürgermeisters Kaufmann wählte die Versammlung einstimmig von Dechen zum Vorsitzenden. Er prägte die ersten zwei Jahrzehnte des VVS.

Zunächst wurden, auch bedingt durch die Einschränkungen, die der Deutsch-Französische Krieg mit sich brachte, Fußwege instand gesetzt und angelegt. Es folgten die Fahrstraßen, als erste die vom Wintermühlenhof zum Drachenfels und sodann von der Margarethenhöhe zum Löwenburger Hof, nach Heisterbach und zur Drachenfelser Straße. Am Bau der Straße von Honnef zum Löwenburger Hof beteiligte sich der VVS. Bauliche Anlagen und Verbesserungen entstanden auf dem Ölberg, dem Hirschberg, dem Lohrberg, dem Drachenfels, am Steiner Häuschen und am „Steinchen“ nördlich von Rhöndorf. Zu einem Misserfolg führte eine 1881 beschlossene Lotterie, deren Erlös der Sicherung der Ruinen Heisterbach und Löwenburg dienen sollte. Zunehmende Bedeutung gewann der Schutz der Berge vor Zerstörung und Schädigung, besonders durch den Steinabbau. Beim Fehlen naturschutzrechtlicher Verbote blieb als Lösung nur der Ankauf. Den Bestrebungen des Justizrats Joseph Humbroich, gegen den besonders störenden Steinbruch der Provinzialverwaltung an der Rheinseite des Petersberges vorzugehen, war von Dechen zwar gewogen, er hatte aber Bedenken, den Kampf gegen eine Behörde aufzunehmen, so dass Humbroich 1886 seinen „Rettungsverein“ gründete, der wiederum vom VVS unterstützt wurde.

Von Dechens letzte Lebensjahre waren, nach einem im November 1886 erlittenen Schlaganfall, durch Krankheit gezeichnet, von der er durch seinen Tod am 15. Februar 1889 erlöst wurde. Auf dem Alten Friedhof in Bonn wurde er begraben. Noch zu seinen Lebzeiten bildete sich in Königswinter ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals, um von Dechens Verdienste um die Erschließung des Siebengebirges zu würdigen. Dieses vom VVS errichtete Denkmal am Uttweiler Knipp, einem Vorsprung der Wolkenburg und zugleich an der ersten unter von Dechens Leitung erbauten Fahrstraße, in der Form einer Steinpyramide mit Bronzerelief, umgeben von Steinen etlicher Siebengegebirgskuppen, erinnert seit 1892 an diesen hervorragenden Förderer des Siebengebirges. (EH)

 

  Naturpark Siebengebirge 18.03.11